Liebe Deutsche Bahn, du kannst so scheiße sein!

Heute wollte ich mit dir (IC 1216) nach Berlin fahren, hab ich mich drauf gefreut. Bahnfahren ist so schön chilig. Dass du, wie ja eigentlich immer, unpünktlich warst, hab ich dir nachgesehen, bin ich ja selber oft. Heute aber war ich rechtzeitig am Gleis, deine halbe Stunde Verspätung habe ich ganz entspannt mit meiner Zeitung verbracht.

Außerdem warst du so nett, auf der Anzeige darauf hinzuweisen, dass der Waggon für Fahrräder kurzfristig an das Zugende versetzt wurde, statt wie ursprünglich geplant an den Zuganfang. So konnte ich in aller Ruhe ganz ans Ende des Gleises gehen und dort mit meinem Rad auf dich warten.

Dann hast du dir aber offenbar überlegt, dass der Fahrradwagen doch besser vorne aufgehoben ist. Und bei der Grübelei darüber, wo denn nun der beste Platz für diesen Waggon ist, hast du offenbar ganz vergessen, mich über deine neuen Pläne zu informieren. Hey, kann vorkommen. Hab ich ja dann auch selber gesehen, als du mit deinem stolzen laaangen Zug in Mainz eingefahren bist.

An meinem 200 Meter-Sprint vom einem Ende des Gleises zum anderen hast du dich so nett erfreut. Dein Schaffner hat mir den Weg gewiesen. Und dein Lokführer hatte, weit aus dem Fenster gelehnt, Spaß daran, mir bei meinem Lauf zuzuschauen. Dabei ließ er mich nicht mehr aus den Augen, als wolle er mich anfeuern. Schlussspurt, noch 40 Meter, ich schaff es! Dein Lokführer schließt schon mal die Türen, lässt den Zug aber noch stehen. Das gibt mir nochmal richtig Schub für die letzten Meter. Dein Lokführer wartet auf mich, guter Mann!

Endlich stehe ich vor der Waggontür mit dem Fahrradpiktogramm, direkt hinter der Lok. Geschafft! Yeah! Dein Lokführer, immer noch ruhig aus dem Fenster lehnend, schaut mich weiter an, wortlos. „Nun mach schon auf“, denke ich. Nichts. „Können Sie bitte die Tür öffnen, ich möchte einsteigen“, sage ich. Wieder nichts, aber dein Lokführer spricht jetzt mit mir: „Nö.“ „Bitte!“ „Nö.“ „Das können Sie doch nicht machen.“ „Sicher kann ich das. Zurückbleiben, bitte!“ Dein Lokführer zieht den Kopf zurück, schiebt die Scheibe hoch und fährt ab.

Liebe Deutsche Bahn, kannst du dich bitte mal um den Mann kümmern? Der braucht doch Hilfe! Dem geht’s nicht gut! Vielleicht muss er mal neu eingestellt werden. Vielleicht braucht er auch ganz neue Medikamente. So kann man den Mann jedenfalls nicht mehr alleine lassen in seinem Führerstand. Du hast schließlich Verantwortung zu tragen, nicht nur für deine Kunden, auch für deine Mitarbeiter.

14 Gedanken zu “Liebe Deutsche Bahn, du kannst so scheiße sein!

  1. 😀 was ganz ähnliches ist mir neulich auch passiert! Schon übel, mit Twitteraccount und Co versucht die Bahn doch ihr schlechtes Serviceimage wenigstens etwas zu verbessern, aber irgendwie wird jeder Versuch von immer wieder auftauchenden untragbar Frechen Schaffnern und Zugbegleitern von vor 50 Jahren zunichte gemacht.
    Ich kann dir nur dringend empfehlen die Story (schön altmodisch per Brief) an eine der Kundenserviceadressen zu schicken – so habe ich mit meiner Beschwerde über einen etwas asozialen Angestellten zumindest nen 20 EUR Gutschein rausschlagen können und glaube, der Herr hat auch eins auf den Deckel gekriegt.

  2. Also mit Älteren Schaffnern hatte ich immer die besten Erfahrungen, eher mit weiblichen die schlechteren.. egal ob jung, alt, hübsch (wobei das ist Geschmackssache^^) oder hässlich.

  3. Das ist ja echt ein Knaller und so eine Unverschämtheit.
    Wünsche Dir trotz des misslungenen Auftaktes eine tolle Zeit mit Deinem Radel!!
    Komm gesund und munter zurück :-)

  4. Hättest Du dem Lokführer gesagt, dass du der Easty Rider bist und, dass er an Dich denken soll, wenn er in den Himmel schaut, ich glaube, er hätte gar nichts gesagt, wäre blass ums Näschen geworden und die Türen wären von alleine aufgegangen. Hinterher ist man natürlich immer schlauer, deswegen mein Tipp: Ihm die Scheiße aus dem Leib klagen, dann hat vielleicht der nächste Radler Glück!

  5. Morgen gibt’s ein lustiges Update zu der Geschichte …

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